Rachel aber sah, dass sie Jakob keine Kinder gebar, und Rachel wurde eifersüchtig auf ihre Schwester, und sie sprach zu Jakob: Schaffe mir Söhne, sonst sterbe ich. (Genesis 30,1)
Schaffe
mir Kinder, sonst sterbe ich –
sterbe
von Sehnsucht
nach
so langer Wartezeit.
Mein
Leben lang
wollte
ich nichts sehnlicher,
hielt
es für selbstverständlich –
nie
hätte ich gedacht
dass
es so schwer sein würde,
nie
hätte ich geträumt
einmal
So Eine zu sein
deren
Arme
für
immer leer bleiben.
Schaffe
mir Kinder, sonst sterbe ich –
sterbe
von Neid,
umgeben
von anderen,
meiner
Magd, meiner Schwester
die
schwanger werden
wenn
du sie nur anhustest.
Warum
nicht ich?
Verdiene
ich nicht
auch
mal etwas Gutes im Leben?
Warum
hat sie vier
und
ich nicht einmal eins?
Ist
das fair?
Schaffe
mir Kinder, sonst sterbe ich –
sterbe
am Frust
wegen
all der blöden Kommentare,
all
der dummen Fragen,
der
unnützen Tipps,
ungewollten
Rat.
"Deine
Zeit läuft ab."
Glaub
mir, ich weiss.
"Du
hast zugenommen –
kann
es sein, dass-" NEIN.
Sehen
sie nicht
wie
es mir das Herz zerbricht?
Schaffe
mir Kinder, sonst sterbe ich –
sterbe
allein und mittellos,
eines
Tages,
eines
fernen Tages
der
immer näher kommt.
Ein
Tag ohne Mann,
ohne
Sohn der mich unterstützt,
kein
Wert für die Gesellschaft,
nur
die arme Unfruchtbare
ohne
Familie die sich kümmert.
Wenn
du mich wirklich liebst
warum
versorgst du mich nicht?
Schaffe
mir Kinder, sonst sterbe ich.
Ja,
ich wünschte, wir hätten die Kontrolle.
Ich
wünschte, es gäbe einen Schuldigen.
Ich
wünschte, es gäbe eine Erklärung.
Ich
wünschte, es gäbe
ein
Rezept in vier Schritten,
eine
schnelle Lösung.
Ich
wünschte es wäre wirklich
in
deiner Macht
und
genug zu quengeln
erfüllte
meinen Wunsch.
Stattdessen
gehe ich weiter
von
Monat zu Monat,
wiederhole
meinen Schrei:
Schaffe
mir Kinder,
sonst
sterbe ich.
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Lange fand ich den "Wettbewerb" zwischen Rahel und Lea eher kindisch. Bis es bei mir selber länger als gedacht gedauert hat, um schwanger zu werden (ca. 1 Jahr - vergleichsweise wenig, aber wenn man drin ist fühlt es sich doch an wie eine Ewigkeit). Ich finde es schön, dass es in der Bibel Identifikationsfiguren gibt auch für diese Art Erfahrung.
Wichtig zu bedenken bei diesen Geschichten in der Bibel, wo der Druck ein Kind zu bekommen so unheimlich gross zu sein scheint, ist dass in der damaligen patriarchalen Kultur ein Kind (Sohn) die soziale Zukunft der Mutter gesichert hat. Ein Sohn würde sich als Erwachsener um seine Mutter kümmern können, besonders nach dem Tod des Vaters. Ein Kind bekommen hatte für Rebekka, Rahel, Tamar und andere eine andere Tragweite als für uns heute.
Und doch ist es genauso berechtigt, heute im modernen Westen so starke Gefühle zu haben, wenn es länger nicht klappt. Auch wenn wir nicht "darauf angewiesen" sind. Mir hat es damals gut getan, mich mit Rahel verbunden zu fühlen und ihre Worte zu meinen eigenen zu machen. Unter anderem darum lese ich gerne in der Bibel... ich finde meine eigenen Erfahrungen dort wieder, fühle mich verstanden und angenommen mit den Gefühlen, die ich habe und mit dem, was ich erlebe und durchmache.
Bild: William Adolphe Bouguereau

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